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27.02.: Ehrenamt Kür statt Pflicht

Herausforderung Ehrenamt

Die Journalistin Anne Domeier sprach mit Obermeister Horst Braun über das Thema Innung und Ehrenamt. Offen beantwortet der Obermeister der Raumausstatterinnung Offenbach auch brisante Fragen.

Lesen Sie die Einschätzungen eines Praktikers zu den Möglichkeiten der Innungsorganisation, erfahren Sie, welche Ideen entwickelt werden, Dabei schlägt Braun durchaus selbstkritische Töne an, zeigt sich aber auch zuversichtlich und innovativ.

Frage: Herr Braun, die Fachinnungen klagen über Mitgliederverluste und zurückgehendes Interesse bei den Mitgliedern. Wie gehen Sie damit um?
Antwort: Sicher gibt es berechtigte Kritik am Innungswesen, gerade in den Bereichen Struktur und Organisation. Daran muss gearbeitet werden. Ich sehe hier drei Ansatzpunkte:
die Organisation schlank halten, d.h. wenig Formalien und geringe Kostenstrukturen,
den Betrieben konkreten Nutzen bieten durch aktuelle Infos und Vortragsveranstaltungen und
aktive Imagearbeit direkt beim Verbraucher durch die Teilnahme an Veranstaltungen und Messen.

Frage: Häufig wird angeführt, die Ehrenamtsträger in den Innungen seien zu alt. Andererseits finden sich kaum jüngere Kandidaten für die Funktionen in Vorstand und Ausschüssen. Woran liegt das?

Antwort: Ein Obermeister oder Vorstandsmitglied der Innung trägt Verantwortung, muss Aufgaben erfüllen und Präsenz zeigen. Das kostet Zeit und Geld. Auch daher wird es tatsächlich immer schwieriger, Ehrenamtsfunktionen neu zu besetzen.

Frage: Ehrenamtsträger der Innung fühlen sich immer öfter im Stich gelassen von „ihren“ Mitgliedern. Ist dieser Vorwurf berechtigt?

Antwort: In vielen Fällen kommt das durchaus vor. Statt Solidarität gibt es Konkurrenzdenken, statt Anerkennung für die geleistete Arbeit hagelt es pauschale Kritik, statt Mitwirkung bei Aktionen gibt es Desinteresse. Das kann schon demotivierend sein.

Frage: Wie sollte man als Obermeister oder Vorstand damit umgehen, was kann man konkret dagegen machen?

Antwort: Dies ist eine Zukunftsaufgabe der Innungsarbeit und daher nicht leicht zu beantworten. Wichtig ist es, zu erreichen, dass die Betriebe wieder stolz sind auf ihre Innungsmitgliedschaft. Dazu ist Werbung nicht nur nach außen, sondern gerade auch nach innen erforderlich. Mein Vorschlag: weg von Formalien und Funktionären und stattdessen kreatives und flexibles denken und handeln. Damit gewinnt man auch wieder das Interesse der Jungend.

Frage: Oft sind es die jungen Handwerksunternehmer, die ganz selbstbewusst die Frage stellen: Was bringt mir die Innung? Welche Antwort haben Sie darauf?

Antwort: Tatsächlich wird aus übereifriger Geschäftstüchtigkeit oft das Rechenexempel: „was zahle ich, was kriege ich raus?“ bemüht. Doch diese „Milchmädchen-Rechnung“ greift hier nicht, denn es geht um mehr. Natürlich kann jeder Obermeister die durchaus vorhandenen geltwerten Vorteile einer Innungsmitgliedschaft benennen. Aber die Innung ist eben kein Dienstleister mit konkretem Gewinnversprechen. Es geht um langfristige Ergebnisse wie Imagegewinn und Qualitätserhalt im Berufsstand. Die Innung braucht Mitglieder, die sich für ihren Beruf im Allgemeinen interessieren, über die unmittelbaren Belange des eigenen Betriebes hinaus.

Frage: Die Mitglieder einer Innung sind die Betriebe eines Handwerks in der Region! Da liegt der Gedanke an eine Konkurrenzsituation nahe. Warum sollte sich ein Handwerker darauf einlassen?

Antwort: Eine Innung ist eben keine Ansammlung von Konkurrenten! Im Gegenteil, eine Innung ist ein Interessenverbund, eine starke Gemeinschaft, ein Team. Sie unterstützt die qualifizierten Fachbetriebe, grenzt ab gegen Trittbrettfahrer und minderqualifizierte Quereinsteiger. Im Übrigen gilt, dabei sein und Präsenz zeigen ist besser als zu fehlen.

Frage: Das Innungswesen beruht auf langer Tradition und die Mitgliedschaft in der Fachorganisation war früher der Normalfall. Warum wird dies heute so stark hinterfragt?

Antwort: Die Motivation sich für seinen Beruf in der Innung zu engagieren, ist der persönliche Anspruch eines Handwerksmeisters. Zugegeben, dies ist heute leider seltener geworden. Ein Grund dafür ist sicher darin zu sehen, wie sich die Werte und Ansprüche in der Gesellschaft verändert haben. Heute richtet sich das Augenmerk verstärkt auf individuelle Lebensqualität. Ehrenamt findet aber vorwiegend in der Freizeit statt. Da wird ein Ehrenamt schnell zum Störfaktor und als Belastung angesehen.

Frage: Was halten Sie von dem Vorwurf, Innungsarbeit sei fruchtlose Vereinsmeierei und Selbstzweck?

Antwort: Das kann ich nicht erkennen. Im Gegenteil, Innungsarbeit ist sehr konkret und auf den Nutzen für die Betriebe und die Allgemeinheit ausgerichtet. Denken Sie an die Bereiche Ausbildung und Interessenvertretung. Allerdings kann die Innung dabei aber nur erfolgreich sein, wenn sich die Mitgliedsbetriebe einbringen. Wenn die Mitglieder dies aktiv unterstützen, wird die Innungsarbeit in der Zukunft bestand haben und nützlich sein.

Frage: Sind die traditionellen Aufgaben der Innung wirklich noch zeitgemäß?

Antwort: Unbedingt! Tradition ist kein Makel sondern eine solide Ausgangsbasis. Anforderungen und Aufgaben ändern sich, darauf müssen sich der einzelne Handwerksunternehmer und ebenso seine Interessenvertretung, die regionale Fachinnung, einstellen. Ob dies gelingt, muss im Einzelfall beurteilt werden, aber wir sind da erfolgreich.



Frage: In welchen Bereichen würden Sie sich wieder mehr Unterstützung durch die Mitgliedsbetriebe wünschen?

Antwort: Zum Beispiel für die Prüfungs- und Fachgruppenarbeit. In letzter Zeit sind es immer weniger geworden, die dabei mitarbeiten. Ich sehe jedoch die Arbeit, wie zum Beispiel Prüfungen und den Landesleistungswettbewerb oder auch den Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmern, als besonders wichtig an.

Frage: Welchen Stellenwert besitzt die Mitgliedergewinnung für Sie?

Antwort: Sie ist sehr wichtig! Es gelingt ja kaum noch, die Mitgliederverluste durch alterbedingte Geschäftsaufgabe auszugleichen. Andererseits bin ich überzeugt, eine Innung ist nur in der Lage die Interessen der Handwerker durchzusetzen wenn Sie stark ist. Ein Einzelner kann fast nichts erreichen. Als Obermeister bin ich also gefordert, als Sprachrohr und Meinungsträger für meine Fachbetriebe zu wirken. Deshalb sind mir auch viele Meinungen wichtig. Ein modernes, nach vorne orientiertes Handwerk kann ohne eine starke Innungsgemeinschaft und deren Arbeit nicht dauerhaft bestehen.

Frage: Haben Sie für Ihre Arbeit als Innungsobermeister ein Motto oder Leitspruch?

Antwort: Mein Grundsatz – privat, geschäftlich und im Ehrenamt - ist ein faire, offene Kommunikation. Für mich gilt: es ist besser miteinander als übereinander zu reden.



Danke für das Gespräch.

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