die besten raumausstatter mctacker motzt! trends for good zukunft bildung fokus: neue medien
Startseite zukunft bildung

zukunft bildung


berufe ausbildung meisterbrief karriere

Impressum

03.06.: Verantwortung und Nachhaltigkeit

Die Journalistin Anne Domeier im Gespräch mit Raumausstattermeisterin Meike Wallner-Kandt und Dr. Harald Schlapp zum Projekt „Botschafter der Nachhaltigkeit“ der Arbeitsgemeinschaft der Südhessischen Raumausstatterinnungen.

DOMEIER.: Frau Wallner-Kandt, Sie sind immer wieder Mitinitiator bei anspruchsvollen Projekten und verantwortlich beteiligt. Woraus ziehen Sie die Kraft und Motivation dafür?
WALLNER-KANDT.: Es gehört zu meinem Selbstverständnis, nach Möglichkeiten zu suchen, etwas zurückzugeben, zu bewahren. Ganz besonders treibt mich dabei der Wunsch an, etwas für die Zukunft zu tun. Dies sind Gründe, warum ich mich so engagiere.

DOMEIER.: Sie haben eine Familie zu managen, sind ehrenamtlich eingespannt und leiten dazu noch einen Handwerksbetrieb. Wie schaffen Sie das?
WALLNER-KANDT.: Das ich heute in einem erfolgreichen, handwerklichen Familienbetrieb arbeiten kann, ist für mich keine Selbstverständlichkeit. Meine Eltern und die vorangegangenen Generationen haben diesen Betrieb aufgebaut nach traditionellen Werten. Sie haben dabei vielmehr eingebracht als betriebswirtschaftlich sinnvoll oder sogar persönlich nötig gewesen wäre. Dieses Vorbild an Einsatz und Verantwortungsgefühl bedeutet für mich ein Ansporn, aber auch eine Herausforderung. Selbst heute, als stolze Mama und qualifizierte Raumausstattermeisterin wäre es sehr schwierig, diesen Betrieb ohne die Hilfe meiner Eltern zu führen und zu entwickeln.

DOMEIER.: Ihre Fachinnung hat jetzt das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen. Sie wurden von Ihrer Innung dazu als erste „Botschafterin“ berufen. Wie kam es dazu?
WALLNER-KANDT.: Nachhaltigkeit ist heute in den Medien und - erfreulich oft - auch schon im Bewusstsein der Menschen angekommen. Aber das reicht mir nicht. Klar, wir alle können heute ein gutes Leben führen. Mein Anspruch geht weiter. Es geht darum, diese Chance insbesondere auch den kommenden Generationen zu erhalten. Dafür arbeite ich und darum freue ich mich über die Berufung zur „Botschafterin der Nachhaltigkeit“ durch die Arbeitsgemeinschaft der Südhessischen Raumausstatter-Innungen.

DOMEIER.: Herr Dr. Schlapp, die Arbeitsgemeinschaft der südhessischen Raumausstatterinnungen will ihren Mitgliedsbetrieben damit einen anspruchsvollen Titel anbieten. Ist dies cleverer ein Werbegag?
DR. SCHLAPP.: Auf keinen Fall. Um Boschafter bei uns zu werden, ist die unternehmerische Bereitschaft gefordert, sich und die Mitarbeiter zu informieren und zu bilden und das betriebliche Angebot entsprechend auszurichten. Dies sind keine Kleinigkeiten, die man einer schnellen Werbeaktion unterwirft. Von diesem Thema muss man überzeugt sein um mitzumachen.

DOMEIER.: Nachhaltigkeit ist heute in den Medien und im Bewusstsein der Menschen angekommen. Herr Dr. Schlapp, wo sehen Sie die Ansatzpunkte für das Handwerk?
DR. SCHLAPP.: Mit unserer Initiative die Innungsfachbetriebe zu „Botschaftern der Nachhaltigkeit“ zu machen, greifen wir die Aspekte Umweltverträglichkeit und Ressourcenschonung auf. Dazu kann jedes Handwerk beitragen. Dabei orientieren wir uns an dem umfassenden Anspruch der Ökobilanz. Es geht nicht darum, vordergründig einen trendigen Marketing-Effekt zu nutzen. Unser Ziel ist es, ein persönliches Umdenken einzuleiten, gleichermaßen bei Handwerkern und Verbrauchern.

DOMEIER.: Wie wollen Sie das konkret erreichten?
DR. SCHLAPP.: Wir haben uns dazu viele Gedanken gemacht und schließlich Statuten formuliert, die ernsthaft aber auch praktikabel sind. Nach diesen Statuten wird von den Handwerksunternehmern verlangt, ihr Sortiment zu durchforsten und die Arbeitstechniken zu überdenken. Die Aspekte Nachhaltigkeit und Ökologie sollen aktiv in die eigene Arbeit und in die Kundenberatung einbezogen werden. Dazu werden wir den Innungsfachbetrieben und deren Mitarbeitern Informationen, Weiterbildung und Kontakte anbieten.

DOMEIER.: Frau Wallner-Kandt, es gibt viele Informationen und Erkenntnisse über Missstände im Schlaglicht der Öffentlichkeit. Doch nach wie vor wird beispielsweise Billigfleisch in Massen konsumiert oder erfolgreich mit Billigjeans Geld verdient? Wie erklären Sie sich das?
WALLNER-KANDT.: Genau das ist ja der Punkt. Es geht eben nicht, dass man zwar wohlmeinend ist, man aber -wenn es einen selbst betrifft- zur Tagesordnung übergeht. Bereitschaft zur Selbstkritik ist gefragt, Verzicht auf gewohnte Bequemlichkeit und gelegentlich sogar finanzielle Vorteile. Dies zu kommunizieren, darin sehe ich meinen Auftrag als „Botschafterin der Nachhaltigkeit“.

DOMEIER.: Dieses brisante Thema wird uns sicher noch langfristig beschäftigen. Herr Dr. Schlapp, wie ist die Idee für dieses doch sehr anspruchvolle Projekt entstanden?
DR. SCHLAPP.: Auslöser war die von mir ins Leben gerufene gewerkübergreifende Initiative „Ideennetzwerk der Obermeister“. Anspruch des Ideennetzwerks es, die Fachinnungen mit ihren qualifizierten Betrieben als Vorreiter für verantwortungsvolles Handeln herauszustellen. Damit grenzen wir unsere Innungsfachbetriebe bewusst von den unvermeidlichen Trittbrettfahrern, wenig qualifizierten Quereinsteigern und Geschäftemachern ab.

DOMEIER.: Sie beide sind Raumausstatter. Welchen Beitrag in diesem Konzept sehen Sie beispielsweise für Ihr Berufsfeld?
DR. SCHLAPP.: Zugegeben, spontan denkt man bei diesen Themen an Heizung, Dämmung, Wind und Sonnenkraft, also an Handwerke aus dem Hightech-Bereich. Doch das ist nur vordergründig,. Auch unserem Raumausstatterhandwerk kommt eine hohe Verantwortung zu. Tatsächlich befassen wir uns genau mit den Lebensräumen, in denen man sich zum überwiegenden Teil des Alltags aufhält, nämlich in der Arbeit oder Zuhause. Da ist guter Rat zu Aspekten wie Gesundheit und Wohlbefinden sehr wichtig.
WALLNER-KANDT.: Für uns Raumausstatter sehe ich hier sehr konkrete Möglichkeiten. Themen wie Gesundheit, Funktionalität aber auch Harmonie und Wohlbefinden sind für uns in der Beratung schon jetzt selbstverständlich. Es geht nun darum, Argumente und Informationen zu sammeln, diese zu bündeln und gezielt auf das Thema Nachhaltigkeit auszurichten. Mein Wunsch ist es, bei meinen Kunden, aber auch im eigenen Denken und Handeln, ein positives Bewusstsein für dieses wichtige Zukunftsthema zu wecken.

DOMEIER.: Danke für das Gespräch

raumausstatter bildung 29.05.: Raumausstatter Innung Darmstadt-Dieburg